Das Satzzeichen Komma und die Wörter «und» bzw. «sowie» haben häufig dieselbe syntaktische Funktion und dienen zur Verbindung verschiedener Elemente in einer Aufzählung: «Eine Frau, ein Mann sowie ein Mädchen und ein Knabe sitzen auf der Parkbank.» Die Funktion von Komma und den beiden Wörtern «und»/«sowie» sind dabei austauschbar: «Ein Mann und eine Frau sowie ein Knabe und ein Mädchen sitzen auf der Parkbank.» / «Eine Frau, ein Knabe und ein Mädchen sowie ein Mann sitzen auf der Parkbank.» Komma und die beiden Wörter «und»/«sowie» verbinden die vier Personen zu einer Gruppe auf der Parkbank.
Von dieser Funktion als Verbindungselement einer Aufzählung dürfte die teilweise vorhandene Meinung stammen, dass vor einem «und» oder einem «sowie» kein Komma zu stehen hat. Es gibt aber Fälle, in welchen korrekterweise Komma + «und»/«sowie» stehen, die hier kurz vorgestellt werden sollen.
1. Am Ende eines Einschubs in Form einer Attributgruppe oder in Form eines Nebensatzes vor der Weiterführung eines aufzählenden Hauptsatzes: Nebensätze und nachstehende Attributgruppen werden regelmässig zwingend durch Kommas abgegrenzt («Eine Frau, die einen Regenschirm hält, geht die Strasse hinunter.» / «Ein Kind, blond und lockig, hält die Hand des Vaters.» / «Ein Junge geht, wenn er schneller ans Ziel gelangen will, regelmässig quer über die Strasse.»). Wenn ein solcher Einschub nun Teil eines Hauptsatzes ist, der eine Aufzählung zum Inhalt hat, fallen Komma und «und»/«sowie» zusammen: «Ein Mann, der einen Hund an der Leine führt, und seine Frau, die einen Regenschirm hält, sowie ihr Kind gehen die Strasse hinunter.» Ohne Nebensätze lautet der Satz: «Ein Mann und seine Frau sowie ihr Kind gehen die Strasse hinunter.» Dabei stehen nun keine Kommas mehr, da es «nur» ein einzelner Hauptsatz mit einer Aufzählung ist.
2. Wiederaufnahme des Inhalts des vorausgehenden Satzes durch «und das», «und dies», «und zwar»: Wenn mit den erwähnten Wendungen das Vorangehende für das Folgende wiederaufgenommen wird, steht zwingend ein Komma: «Es regnet, und das / und dies / und zwar schon seit Wochen.» Vor allem bei «und das» ist jedoch darauf zu achten, welche Funktion «das» übernimmt. Bezieht sich «das» nicht zurück auf das vorher Geschriebene, sondern steht in der Funktion des bestimmten Artikels eines folgenden Worts, ist ein Komma nicht nötig: «Es regnet und das Feld steht unter Wasser.» Damit kommen wir noch zum letzten hiermit vorgestellten Fall.
3. Verbindung zweier vollständiger Hauptsätze: Früher noch obligatorisch, ist heute das Komma zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen, die durch ein «und» verbunden sind, fakultativ: «Es regnet und die Strasse steht unter Wasser.»; ist ebenso korrekt wie: «Es regnet, und die Strasse steht unter Wasser.» Auch im zweiten, früher noch einzig korrekten Fall kann also ein Komma mit einem folgenden «und» zusammenfallen.
Jetzt kann man sich natürlich noch fragen, weshalb ein Falter diesen Beitrag zu den Kommaregeln illustriert. Beim abgebildeten Falter handelt es sich um den Komma-Dickkopffalter (botanisch: Hesperia comma). Auf der Oberseite der Vorderflügel des Männchens sollen schwarze Flecken in Form eines Kommas zu sehen sein, die gleichzeitig Duftschuppenstreifen sind, aus welchem Lockstoffe freigesetzt werden, die Weibchen paarungsbereit machen sollen.