Zum Abschluss des Themas soll hier noch auf die Fälle eingegangen werden, in denen einem langen Vokal oder einem Doppelvokal ein stimmhaftes s folgt und deshalb kein ß verwendet wird.
Ein illustrierendes Beispiel für diesen Fall ist das Verb säuseln: Es besteht aus den beiden verschiedenen s-Lauten (stimmlos am Anfang und stimmhaft im Wortinnern) und bedeutet gleichzeitig die Art wie das stimmhafte s gesprochen wird, nämlich wie gesäuselt. Während beim stimmlosen s die Zunge an der unteren Zahnreihe liegt, vibriert oder säuselt sie beim stimmhaften s zwischen den beiden Zahnreihen. Gleich verhält es sich zum Beispiel bei den Verben niesen oder lösen im Gegensatz z. B. zu geniessen (genießen) oder entblössen (entblößen). In den Fällen also, da ein stimmhaftes (oder gesäuseltes) s nach langem Vokal steht, wird dieses nicht als ß geschrieben. Und dies ändert sich auch nicht, wenn das s in einer anderen Form des entsprechenden Wortes stimmlos ausgesprochen wird, wenn ein Konsonant folgt, beispielsweise in «er niest» oder «sie löst». (Dieses Phänomen wird als Auslautverhärtung bezeichnet – das s wird stimmlos oder eben hart, wenn ein Konsonant folgt.) Hier bleibt – auch hinsichtlich des voran in Teil 2a ausgeführten – noch zu ergänzen, dass auch das stimmlose s nach langen Vokalen in Wortstämmen (sozusagen Grundformen des Worts), die auf einem Konsonant enden, nicht als ß geschrieben wird: Faust, Geist oder Trost.
Ich hoffe, mit diesen und den vorangehenden Ausführungen ein wenig Aufklärung zum Thema «ß oder ss?» gebracht zu haben und stehe sonst gerne für weitere Fragen hier im Forum oder auch über das Kontaktformular zur Verfügung – und sonst hilft immer auch ein Blick ins Wörterbuch!
