Nach dem kurzen historischen Einblick soll nun näher auf die für Schüler und Lehrer qualvollen s-Regeln bzw. ß-Regeln eingegangen werden. Dazu zitieren wir den entsprechenden Ausschnitt aus dem Duden-Regelwerk:
«ß [...] steht in Wortstämmen, in denen auf einen langen Vokal oder einen Diphthong (Zwielaut) nur ein einfacher, stimmloser s-Laut folgt. Dies gilt jedoch nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos bleibt [...].» (duden.de/...doppel-s-und-scharfes-s)
Da ist also einerseits von langem Vokal oder Diphthong und andererseits von einfachem stimmlosem s-Laut die Rede. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt auf der Vokallänge.
Um einen Eindruck von den verschiedenen Vokallängen zu erhalten, scheint es am einfachsten, entsprechende Wortpaare gegenüberzustellen:
Fuss (Fuß) – Fluss
Strasse (Straße) – Gasse
Floss (Floß) – Flosse;
oder die im Schweizerischen gleich geschriebenen Wortpaare:
Masse (Maße) [Abmessungen] – Masse [grosse Menge]
Busse (Buße) [Sühne; für Rechtsverletzung zu bezahlender Ausgleich] – Busse [Mehrzahl von Kraftwagen für mehrere Personen].
Anhand dieser Beispiele lässt sich der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen heraushören und analog auf weitere Beispiele ausweiten. Und ein ß steht nur nach entsprechend langen Vokalen oder Diphthongen – oder Zwielaute, was aufgrund der beiden Vokale schon mehr «Länge» bedeutet – wie au in aussen (außen), äu in äusserst (äußerst), ei in beissen (beißen) oder eu in scheusslich (scheußlich) usw.
Im nächsten Teil wird die wohl schwieriger zu bestimmende Stimmhaftigkeit der Vokale Thema sein.
